Pascal Ormunait


Neues Buch von Björn Clemens erschienen!



Der Inhalt

Bittere Anklage eines jungen Mannes, der hinter die Maske des Justizsystems blickt. Gleichzeitig lernt er die Realität der multikulturellen Gesellschaft kennen.

Die Welt des 19jährigen Gymnasiasten Pascal Ormunait gerät aus den Fugen: zuerst verliert er seine Freundin, dann seinen Großvater. Während er sich von der einen in einem handfesten Streit trennt, wird der andere von türkischen Jugendlichen, die die Kölner Ringstraßen zur Rennarena umfunktionieren, erschlagen. So sieht es zumindest Pascal, der mit erleben muß, wie der Opa auf offener Straße niedergeschlagen wird, woraufhin er mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus, und dort nach einem jähen Sturz zu Tode kommt. Aber die Staatsanwaltschaft ist weit davon entfernt, sich dieser Sicht der Dinge anzuschließen. Für sie ist der Großvater seinem eigenen Leichtsinn erlegen. Die Fausthiebe, die der 80 jährige Rentner erhalten hat, begründen in dem abgehobenen Fachjargon der Behörde keine adäquate Kausalkette. Die verbleibende Körperverletzung fällt juristisch nicht weiter ins Gewicht; das Verfahren wird eingestellt.

Der junge Mann, der mütterlicherseits aus Königsberg in Ostpreußen stammt, und dessen leiblicher Vater starb, als Pascal 3 Jahre alt war, hat damit die eigentliche Bezugsperson seines Lebens verloren: mit seinen Schulfreunden kommt er klar, nicht mehr, nicht weniger. Das Verhältnis zur Freundin war bis zum endgültigen Scheitern eine reine Genitalbeziehung.

Zur Mutter hat er kein schlechtes, aber auch kein inniges Verhältnis, den Stiefvater, einen funktionierenden Manager beim Bayerkonzern in Leverkusen mag er, genau wie der Großvater, nicht. Diese Konstellation sorgt in der Familie immer wieder für atmosphärische Spannungen. Deshalb verbringt Pascal den größten Teil seiner Zeit beim Opa in Ehrenfeld. Nur hin und wieder pendelt er nach Junkersdorf, wo die Mutter mit ihrem Ehemann dessen Villa bewohnen.

Dem Großvater, einem früheren Bauingenieur in der Stadtverwaltung, ist es gelungen, in Pascal Interesse für Architektur zu erwecken und ihm darüber den Geist der Häßlichkeit zu verdeutlichen, der in der Domstadt beim Wiederaufbau sein Unwesen getrieben hat. In dem Roman steht er für das Häßliche überhaupt, das überall, nicht nur in den Gebäuden, seine Spuren verbreitet.

Nach dem Tod des Großvaters am 24. Dezember 2007 versucht Pascal die verschlungenen Pfade der organisierten Gerechtigkeit zu entschlüsseln. Dabei trifft er seinen ehemaligen Fußballkameraden Kevin, der sich vor Gericht für die Verbreitung eines Flugblattes mit dem Spruch „Alles für Deutschland“ verantworten muß. Zu seinem Erstaunen erfährt Pascal, daß dieselbe Justiz, der bei jugendlichen Intensivtätern nicht mehr einfällt, als sie um Besserung zu bitten, sehr wohl in der Lage ist, Härte zu zeigen, wenn es um die Verfolgung politisch unerwünschter Personen geht.

In Kevin hat er endlich jemanden gefunden, dem er eine innere Zuneigung entgegenbringt. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Nach einer durchzechten Nacht, die Pascal bei Kevin verbringt, steht die Polizei vor der Tür. Eine schikanöse Hausdurchsuchung bringt Pascal in Bedrängnis, obwohl wieder einmal Kevins politische Betätigung Ziel des Einsatzes ist und die Beamten obendrein Spaß an der Schikane haben. Doch Schuld daran ist für Pascal das ungeklärte Verhältnis des Freundes zum Nationalsozialismus, was durch einige Gegenstände in seiner Wohnung erhärtet wird. Als Pascal darüber hinaus durch eigenes Ungeschick bei der Durchsuchung eine strafbare Widerstandshandlung begeht, kommt es zum Bruch. Pascal beleidigt und verläßt den Freund.

Gleichzeitig versteigt er sich immer mehr in den Zwang, die Schläger seines Großvaters zur Strecke zu bringen. Gegen seine eigene Erkenntnis nimmt er eine Einbruchserie zum Vorwand einer falschen Verdächtigung. Er stellt sich dabei so ungeschickt an, daß er auffliegt. In kürzester Zeit ist er zum Mehrfachstraftäter geworden. Die Klientel, der er mit der zweiten Tat Unrecht getan hat, pflegt ihre eigenen Regeln der Ehrenrettung, und so findet sich Pascal in der Altweiberfastnacht 2008 an einsamer Stelle fünf jungen Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber, die ihn erniedrigen, aufs Übelste foltern und krankenhausreif schlagen.

Doch anstatt durch diesen Anschlag auf Mitleid zu treffen, gerät Pascal weiter ins Abseits. Er gilt als Krimineller mit dubiosen Kontakten nach „rechts“ In einer weltoffenen Stadt unserer Bundesrepublik ist das kein günstiger Leumund. Sowohl sein Verteidiger als auch die Schulleitung lassen ihn fallen: der eine legt das Mandat nieder, die andere stuft ihn einen Jahrgang zurück, um „aufkommendes Gerede zu beruhigen.“

Als er in dieser Situation bei dem Prozeß gegen seine Peiniger von deren Anwälten demontiert wird, während die Täter mit Samthandschuhen angefaßt werden, verliert er jeden Halt. Zwischen Köln und Bonn stellt er sich auf die Gleise. Doch sein Weg ist noch nicht zu Ende. Im allerletzten Moment springt er vor dem herannahenden Intercity in den Graben. In Trance fährt er zurück nach Köln. Dort bricht er im Dom körperlich und seelisch zusammen. Ein Kirchenmann sieht ihn im Chor liegen, und dessen unbekannte Stimme, von der er im Nachhinein erfährt, daß es diejenige des Kardinals ist, spricht ihm gleichzeitig Mut zu und mahnt ihn, sich nicht gehen zu lassen.

Das ist die Wende. Pascal beginnt wieder aufrechter durchs Leben zu gehen. Er freundet sich mit dem Studenten David, einem „Goth“ sowie dessen Freund Benjamin einem Rechtsreferendaren an. Benjamin ist von seinem Idealismus für das hohe Gut der Gerechtigkeit noch nicht durch praktische Tätigkeit geheilt. Auf ihren Ratschlag söhnt er sich mit Kevin aus. Der ist inzwischen noch tiefer in Probleme geraten, weil Antifaschisten sein Wohnhaus mit Haßparolen beschmiert haben. Daraufhin kündigt der Vermieter. Doch nun wandelt sich alles, was bisher zur Katastrophe angelegt war, zum Guten: Seit dem Tod des Opas bewohnt Pascal zum Unwillen der Eltern dessen große Wohnung allein. Nun begründet er dort mit Kevin eine WG.

Gemeinsam mit David fahren sie am Morgen des 3. August 2008, einem Sonntag, nach Düsseldorf, um in kleinem Kreise ein Gedenken für einen Gefallenen des Ruhrkampfes durchzuführen. Die Fahrt wird zur Wiederbelebung einer von nun an dauerhaften Freundschaft. Das Tal ist durchschritten.